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Makrofotografie in der Natur

  1. Faszination der kleinen Welt
  2. Die Mittel zum Zweck
  3. Die Bildgestaltung
  4. Insekten im Flug
  5. Tipps und Tricks
  6. Die Ausrüstung

Faszination der kleinen Welt

Die Faszination für die Makrofotografie kann einen schnell in den Bann ziehen, denn nirgendwo in der Naturfotografie gibt es so viel Unbekanntes zu entdecken wie im Nahbereich. Bei der Makrofotografie kann man zudem mit relativ geringem finanziellem Aufwand zum Erfolg kommen. Wer nicht ganz spezielle Motive anstrebt, der sollte recht schnell vielversprechende Orte finden, die meist nicht weit vom Wohnort entfernt sind und sich bestens für die Makrofotografie eignen.

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Ab welchen Maßstab man nun von Nah-, Makro- oder Mikrofotografie spricht, soll an dieser Stelle nicht Thema sein, zumal es in der Literatur für diese Bezeichnungen auch abweichende Angaben gibt. Vielmehr möchte ich hier meine Wege zum Ziel aufzeigen, die aber weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch als einzig richtige Vorgehensweise betrachtet werden sollten. In der Makrofotografie kann man viel erreichen und erlernen, indem man sich den Spaß am Ausprobieren zu nutzen macht. Gelingt einmal ein Foto nicht wie gewünscht, so ist eine Wiederholung desselben meist jederzeit möglich.
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Die Mittel zum Zweck

Da meine Naturfoto-Workshops die Grundlagen der Fotografie voraussetzten, möchte ich an dieser Stelle den technischen Teil auf die Dinge beschränken, die ich selber im Einsatz habe und nur dezent darauf hinweisen, dass es auch technisch noch andere Hilfsmittel, wie Nahlinsen, Vorsatzachromate, Zwischenringe, Balgengeräte, Retroadapter und Lupenobjektive gibt. Diese ganzen Geräte und Techniken hier vorzustellen würde außerdem den Umfang dieses Workshops sprengen!

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Für meine Makrofotografie verwende ich ausschließlich Makroobjektive und zwar genau genommen drei Stück mit verschiedene Brennweiten (60 mm, 105 mm und 200 mm). Wer am Beginn der Makrofotografie steht, stellt sich meist die Frage welche Brennweite ein Makroobjektiv den haben soll. Häufig ist zu lesen oder zu hören, dass man viel Brennweite für die Fotografie von Insekten benötigt, aber das stimmt so nicht. Insekten habe keine Fluchtdistanz, aber dazu später mehr. Auch wird häufig der Abstand zum Motiv falsch eingeschätzt. Mit meinem 200 mm Objektiv an der Kleinbild DSLR beträgt der Abstand vom Filtergewinde bis zum Motiv, bei dem Maßstab 1:1, gerade mal 25 cm! Die gleiche Messung bei meinem 105er ergibt 14 cm und beim 60 mm Makroobjektiv verbleiben nur noch ca. 5 cm bis zum Motiv bei einer 1:1 Darstellung. Wenn jetzt noch eine Gegenlichtblende auf das Objektiv geschraubt werden soll, so wird spätestens beim Makroobjektiv mit 60 mm klar, dass bei 1:1 Maßstäben der Platz nicht mehr reicht. Warum aber dann mehrere Brennweiten und welche ist die Richtige? Neben dem Aspekt des Arbeitsabstandes gibt es noch einen viel wichtigeren Grund zu unterschiedlichen Brennweiten zu greifen. Eine größere Brennweite, wie zum Beispiel ein 200 mm Makroobjektiv, "verdichtet" das Bild und das bedeutet, dass weniger vom Hintergrund zu sehen ist. Anders sieht es bei einem 60 mm Makroobjektiv aus, denn hier wird viel mehr vom Hintergrund in das Bild einbezogen. Bei einem Maßstab von 1:1 spielt die Hintergrundgestaltung meistens keine Rolle, aber bei kleineren Maßstäben (z.B. bei der Fotografie einer Libelle oder bei Blumenaufnahmen die nicht zu sehr ins Detail gehen) kann man mit den verschiedenen Brennweiten sehr unterschiedliche Wirkungen erzielen.
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Die Bildgestaltung

Viele Fotografen die mit der Makrofotografie beginnen, setzten ihr Hauptaugenmerk darauf, dass das Motiv gestochen scharf abgebildet wird und in einem möglichst großen Schärfebereich liegt. Auch ich habe so irgendwann einmal angefangen und erst viel später erkannt, dass diese Vorgehensweise meist nur langweilige Bilder produziert. Bildgestaltung ist auch immer ein wenig Geschmackssache und deshalb möchte ich im Nachfolgenden nur meine persönliche Vorstellung von einer guten Bildgestaltung darlegen.

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Ganz nah abbilden oder doch mehr Hintergrund mit ins Bild einfließen lassen? Bei dieser Frage gibt es eigentlich kein "Richtig" oder "Falsch". Je näher man sich dem Abbildungsmaßstab 1:1 nähert, desto mehr bekommt der Betrachter Details zu sehen, die mit bloßen Auge nur schwer zu erkennen sind bzw. in der Regel überhaupt nicht beachten werden. Die 1:1 Darstellung bietet gute Möglichkeiten sich auf bestimmte Details des Motivs zu konzentrieren. Das kann z. B. der Flügel einer Libelle sein oder auch ein Ausschnitt vom Hut eines Pilzes: Klick hier
Für mich aber noch spannender sind Bilder die auch vom Hintergrund eine Aussage treffen. Schnell ist man versucht einen völlig aufgelösten und gerade zu sterilen Hintergrund zu gestalten und da dies in der Natur eher die Ausnahme ist, wird entsprechend die Botanik rund um das Motiv präpariert. Statt alle Pflanzen im Hintergrund des Motives zu beseitigen und damit oft dauerhaft zu beschädigen, ist es aus meiner Sicht sinnvoller den Hintergrund mit dem Motiv einzubeziehen. Diese Vorgehensweise ist nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern es entstehen in der Regel auch die interessanteren und damit besseren Bilder. Allerdings achte ich auch darauf, dass ein Hintergrund nicht zu unruhig wird und damit vom eigentlichen Motiv zu sehr ablenkt. Durch die Wahl von größeren Brennweiten, ich verwende hier gerne ein 200 mm Makroobjektiv, kann man einem allzu unruhigen Hintergrund gut entgegen wirken. Ist danach der Hintergrund immer noch zu dominant, so kann man natürlich immer noch einen störenden Grashalm oder Zweig für die Aufnahme vorsichtig und vorrübergehend zur Seite drücken.
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Wohin mit der Schärfe? Bei der Makrofotografie ist die Schärfentiefe immer äußerst gering und häufig sogar nur wenige Millimeter groß. Bei der Fotografie von Insekten lege ich die Schärfe immer auf ein oder beide Augen, allerdings habe ich auch nicht den Anspruch dass mein Motiv durchgehend im Schärfebereich liegen muss. Will man eine möglichst durchgehende Schärfe des Hauptmotivs erzielen muss man dafür sorgen, dass das Motiv möglichst linear zur Kamera ausgerichtet ist. Mir ist eine spannende Perspektive allerdings meist wichtiger als das lineare Ausrichten des Motivs. Schließlich erstelle ich nicht meine Makrofotos für ein Biologiebuch, indem es darum geht möglichst viel von einem Motiv genauestens erkennen zu können. Ich finde das Spiel mit der Schärfentiefe in der Makrofotografie viel spannender und lasse gerne einiges vom Hauptmotiv im Unschärfebereich.
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Insekten im Flug

Zu den schwierigsten Aufgaben in der Makrofotografie oder besser gesagt der Nahfotografie, ist das Fotografieren von Insekten in der Flugphase. Eine Großlibelle ist nicht nur ein schönes Motiv sondern auf Grund deren Größe noch eine darstellbare Aufgabe für den Fotografen.

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Wie klappt das Vorhaben jetzt am besten? Zunächst muss man sagen, dass das Fotografieren von Flugaufnahmen immer mit sehr hohen Ausschuss verbunden ist. Als erste muss man sich natürlich einen Teich suchen, an dem entsprechend häufig Libellen im Bereich des Ufers herum fliegen. Vor einigen Jahren hätte ich solche Aufnahmen noch mit manuellen Fokussieren versucht aber mittlerweile sind moderne Kameras und neuere Objektive gut in der Lage auch mit einem Autofokus die Libellen im Flug zu erwischen. Falls die Ausrüstung aber zu langsam ist, dann kann man auch mit manuellen Fokus zum Ziel kommen. Die Libellen haben in der Regel immer bestimmte Flugbahnen die sie bei der Beutejagd abfliegen und dann kann man bei manuellen fokussieren auf eine Stelle vorfokussieren und hoffen, dass die Libelle dann auch dort vorbei kommt. Die Libellen bleiben bei der Beutejagd häufig eine kurze Zeit in der Luft stehen und dann gilt es die Libelle im Sucher zu finden, zu fokussieren und abzudrücken. Aber wie erwähnt, mit hohem Ausschuss rechnen ;-). Am besten sucht man sich eine Tag mit Sonnenschein, denn man benötigt relativ hohe Verschlusszeiten. Eine 1/500s sollte man möglichst nicht unterschreiten, denn sonst wird der Ausschuss noch größer. Selbstverständlich sollte man sich auch nicht die Mittagszeit zum Fotografieren aussuchen. Auch wenn dann genügend Licht vorhanden ist, so ist das harte Licht wenig vorteilhaft für eine stimmungsvolle Naturaufnahme.
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Tipps und Tricks

Meine Makroaufnahmen entstehen häufig in den frühen Morgenstunden, denn das Licht vor dem Sonnenaufgang eignet sich meist am besten für Makrofotografie. Ein weitere Vorteil für die frühen Stunden ist, dass vor dem Sonnenaufgang weniger Wind vorhanden ist, denn nachdem die Sonne aufgegangen ist kommt fast immer vermehr Wind auf. Im Nah und Makrobereich ist der Wind der schlimmste Gegner, denn der kleinste Windstoß sorgt für unscharfe Bilder, wenn sich das Motiv auf kleinen Zweigen, Blumen oder Grashalmen befindet. Auch wenn man den Wind kaum wahrnimmt, spätestens in der 100% Ansicht vom Live-View Monitor werden einem die Auswirkungen klargemacht.

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Um die Bewegungsunschärfe durch den Wind einigermaßen in den Griff zu bekommen, versuche ich mein Glück mit Abwarten auf einen möglichst Windstillen Moment. Gleichzeitig mache ich eine ganze Serie von Aufnahmen und in der Regel sind dann auch einige Bilder dabei, die die gewünschte Schärfe haben. Ebenfalls kann man die ISO etwas höher einstellen, damit die Belichtungszeit sich entsprechend verkürzt. Es gibt auch technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Stangen mit denen man Grashalme fixieren kann oder Windzelte, die über das Motiv gestülpt werden. Ich halte allerdings von solchen Hilfsmittel nicht besonders viel, denn in der Praxis sind die Hilfsmittel häufig nicht tauglich. Bei dem Motiv der Wespenspinne im Spinnennetz würden beide erwähnten Hilfsmittel schnell an ihre Grenzen stoßen. Manchmal bleibt einem auch nichts anderes übrig, als sich das Motiv an einem anderen Tag noch einmal vorzunehmen.
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Die Ausrüstung

Bei der Makrofotografie sollte neben einem Makroobjektiv in jedem Fall ein stabiles Stativ vorhanden sein, auch wenn man das eine oder andere Motiv mal aus der Hand fotografiert. Einige Makroobjektive haben eine zuschaltbare Stabilisierung aber nach meinen Erfahrungen kann man fast jedes Motiv, welches aus der Hand fotografiert wurde, ebenso gut mit dem Stativ aufnehmen. Mit einem Stativ benötigt man häufiger etwas mehr Geduld um zum Erfolg zu kommen aber die Resultate sind in der Regel auch entsprechend besser als bei Aufnahmen aus der Hand, denn das kleinste Verwackeln kann sich bei Makroaufnahmen negativ in den Bildergebnissen bemerkbar machen.
Neben dem Stativ verwende ich gerne einen Makroschlitten um die exakte Schärfe mit der Bewegung des Schlittens zu justieren. Ansonsten setzte ich noch kleine Mini-Reflektoren zum Aufhellen des Motivs ein und das war es dann auch schon mit meinem Ausrüstungszubehör.
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Stand: November 2014, (Verfasser: Olaf Jürgens)
Aktualisiert: Oktober 2016

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