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Vogelfotografie

  1. Die Vorgehensweise
  2. Tarnen, tricksen, täuschen
  3. Die Winterfütterung
  4. Die Bildgestaltung
  5. Wie gelingen Flugaufnahmen?
  6. Die Ausrüstung

Die Vorgehensweise

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Ohne Vorbereitung wird der Erfolg auf Dauer recht eingeschränkt bleiben und dies wird zwangsweise früher oder später zu Frust bzw. im schlimmsten Fall zur Aufgabe dieser Sparte der Naturfotografie führen. Was ist also zu tun? Die wichtigste Aufgabe, vor dem ersten Auslösen der Kamera, besteht darin sich möglichst umfangreiche Informationen zu beschaffen! Wenn man es auf eine ganze bestimmte Vogelart abgesehen hat, können Quellen wie das Internet, aber auch das alte Biologiebuch, sehr hilfreich sein um an möglichst viele Informationen einer bestimmten Vogelart zu kommen. Wichtig wäre es zu wissen, wo und wann man die Vogelart antreffen kann, wann die Vögel beim Revier abgrenzen sind, wann die Balzzeit ist und wann die Zeit für Brut bzw. Aufzucht ist. Insbesondere in der Phase wo die Vögel ihr Revier einnehmen und abgrenzen, aber auch in der Balzzeit, zeigen sich unsere Modelle nämlich besonders gerne dem Fotografen. Sind die Vögel erst einmal in der Brutzeit, so hockt ein Elternteil ständig auf dem Nest und damit verschwinden schon einmal 50% unserer Motive aus unserem Blickfeld.
Wenn man es nicht auf ein bestimmtes "Modell" abgesehen hat und möchte alles ablichten was einem an Federvieh vor die Linse kommt, so kann man sich natürlich das Detailwisse sparen. Das Theoretische Wissen allein hilft allerdings auch nur begrenzt, denn der nächste Schritt lautet nun die entsprechenden Orte zu finden und das ist mit Abstand die schwierigste und zeitintensivste Aufgabe bei der Vogelfotografie!
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Tarnen, tricksen, täuschen

Hat man nun ein vielversprechendes Revier gefunden und durch Beobachtungen festgestellt, dass sich die Vögel häufiger an diesen Stellen aufhalten, geht es anschließend darum die beste Vorgehensweise festzulegen.

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Die Wahl der Vorgehensweise hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen ist natürlich zu klären wie zugänglich das Gebiet ist. Ist das Gebiet mit dem Auto befahrbar, gibt es eine gute Deckung, kann ich ein Tarnzelt aufstellen und darf ich das Gebiet überhaupt ohne Erlaubnis betreten? Nachdem diese Fragen geklärt wurden, ist natürlich auch entscheidend wie scheu die jeweiligen Vögel sind. Bei der Fluchtdistanz gibt es extreme Unterschiede, die zum einen von der Vogelart abhängig sind, aber auch davon ob die Vögel eventuell an Menschen gewöhnt sind. Es ist natürlich ein riesen Unterschied ob man eine Krähenart in einem Bürgerpark oder in einem einsamen Naturschutzgebiet ablichten möchte. Während in einem Park das Ablichten von Vögeln mit kleineren Teleobjektiven und völlig ohne Tarnung meist keine besondere Herausforderung darstellt, so ist es extrem schwierig, wenn man zum Beispiel eine Krähe oder einen Reiher im Naturschutzgebiet aus dem Auto fotografieren möchte. Einige Vogelarten wie Krähen, Reiher oder Greifvögel reagieren auf die kleinste Bewegung und Geräusche in ihrer Umgebung. Insbesondere bei uns in Deutschland wo der Jagd-Druck auf Tiere recht groß ist, hat man es häufig mit großen Fluchtdistanzen zu tun. Selbst Vögel die nicht mehr bejagt werden dürfen, wie z.B. die Greifvögel, scheinen in ihren Instinkten den Menschen als Bedrohung wahrzunehmen. Das geht sogar soweit, dass selbst das Verändern der Umgebung, wie z. B. das Aufstellen eines Tarnzeltes, unter Umständen eine Bedrohung für die Tiere darstellt. Im Falle des Tarnzeltes kann man nur versuchen die Vögel längerfristig an die veränderte Umgebung zu gewöhnen, indem man das Zelt einige Tage zuvor an dem Ort aufbaut.
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Zum Glück ist es nicht immer so schwierig zu gelungenen Vogelaufnahmen zu kommen. Viele Singvögel lassen sich, sofern die Gegebenheiten passen, recht bequem aus dem Auto fotografieren. Das Auto bietet für sehr viele Vögel eine ausreichende Tarnung. Beim Fotografieren aus dem Auto gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Vorgehensweisen. Eine Möglichkeit ist es, sich langsam mit Schrittgeschwindigkeit dem Vogel anzunähern, die zweite Möglichkeit ist es, Sitzwarten auszukundschaften und sein Auto dann entsprechend zu platzieren um dann anschließend darauf zu spekulieren, dass der Vogel wieder die gleiche Sitzwarte anfliegt. Mir persönlich gefällt in den meisten Fällen die zweite Variante besser. Man muss dann zwar meist mehr Zeit einkalkulieren, aber diese Methode schont am Ende die Nerven des Vogels und die des Fotografens. Beim langsamen Heranfahren an die Vögel, fliegen die kleinen "Racker" doch sehr häufig weg und man erreicht die gewünschte Nähe einfach nicht.
Eine gute Möglichkeit zur Vogelfotografie und dies zum Teil völlig ohne Tarnung, bieten einem die sogenannten "Hotspots". Hotspots sind Plätze an denen sich meist viele Naturfotografen tummeln und die Vögel sich zu einem großen Teil an die Menschen gewöhnt haben. Der Nebeneffekt dieser Ansammlung von Naturfotografen ist eine geringe Fluchtdistanz der Tiere und damit entfällt an einigen Stellen die Notwendigkeit sich zu tarnen. Bekannte Hotspots befinden sich z.B. auf Helgoland, Texel oder am Günzer See in Mecklenburg-Vorpommern.
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Die Winterfütterung

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Die Winterfütterung bietet eine gute Gelegenheit mit überschaubarem Zeiteinsatz zu schönen Vogelaufnahmen zu kommen. Im Winter lassen sich Vögel sehr einfach anfüttern, denn spätestens wenn eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist, stürzen sich die Vögel auf ausgelegtes Vogelfutter. Im Sommer bevorzugen die meisten Vögel Insekten und da im Winter das Angebot an Insekten recht überschaubar ist, stellen sie ihre Nahrung im Winter auf Körnerfutter um. Eine eigene Winterfütterung einzurichten ist im Grunde genommen recht einfach. Um zu sehr guten Ergebnissen zu kommen ist allerdings einiges zu beachten. Der Standort der Winterfütterung sollte möglichst nicht der Garten sein, da man dann nur eine recht eingeschränkte Auswahl an Vogelarten an die Futterstelle bekommt. Besser geeignet ist ein Platz am Waldrand. Der Wald als Standort ist meist nicht so gut geeignet, da die Lichtverhältnisse häufig nicht optimal sind. Natürlich sollte man vorher den Pächter bzw. Besitzer des Grundstückes um Erlaubnis für die Einrichtung der Winterfütterung bitten.
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Die weiteren Dinge zum Gelingen der Winterfütterung sind recht einfach. An der Futterstelle sollte über mehrere Tage und regelmäßig Vogelfutter ausgelegt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass das Vogelfutter nicht feucht wird. Das Aufstellen des Tarnzeltes oder der Bau einer Ansitzhütte sollte unter Berücksichtigung des Sonnenstands erfolgen, so dass man nicht im Gegenlicht fotografieren muss. An der Futterstelle kann man sich dann kreativ betätigen, indem man entsprechende Zweige platzieren, die möglichst so aufgestellt werden sollten, dass später auf dem Foto nicht das Vogelfutter zu sehen ist. Neben dem herkömmlichen Vogelfutter empfehle ich auch ein paar Hasel- oder Erdnüsse auszulegen, denn damit lassen sich auch größere Vögel wie z.B. ein Eichelhäher anlocken.
Eine Winterfütterung kann recht spannend und erfolgreich sein. Ich selber betreibe allerdings schon seit einigen Jahren keine Winterfütterung mehr, da es mir in dieser Jahreszeit noch mehr Spaß macht selbst auf Entdeckungstour zu gehen und ich diese Zeit nicht im Tarnzelt verbringen möchte. Im Übrigen halte ich eine Winterfütterung aus Sicht des Naturschutzes für unbedenklich und teile damit die Einschätzung des Naturschutzbundes NABU.
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Die Bildgestaltung

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Als ich irgendwann vor Jahren mit der Vogelfotografie begann, war ich froh über jede Vogelaufnahme die mir technisch gelang. Hatte ich darüber hinaus noch ein Vogel erwischt den man nur selten zu Gesicht bekam, war die Freude besonders groß. Auch damals habe ich schon auf schönes Licht und möglichst einen "goldenen Schnitt" bei der Bildaufteilung geachtet, aber mit der Zeit reifte die Erkenntnis, dass dies alleine noch längst keine erstklassige Vogelaufnahme ausmacht! Zu einem erstklassigen Foto gehört für mich, dass die Aufnahmen auch eine Geschichte erzählt. Ein Foto mit einem vom Hintergrund völlig freigestellten Vogel hat kaum eine weitere Aussage, denn wenn der Hintergrund wenig bzw. überhaupt nichts über die Umgebung verrät, dann könnte man die Aufnahme auch als reine Dokumentation deklarieren. Nach wie vor mache ich zwar ab und zu auch noch solche Fotos, die nur den Vogel möglichst nah abbildete, aber das ist mittlerweile selten geworden und bei der Nachbetrachtung der gemachten Bilder gefallen mir solche Fotos nur sehr selten wirklich gut. Wer also Vogelaufnahmen nicht nur fürs Biologiebuch fotografiert und seinen Fotos Emotionen verpassen möchte, sollte durchaus mal ausprobieren mehr Hintergrund in die Aufnahme mit einfließen zu lassen. Es ist für den Betrachter der Fotos viel spannender neben dem Vogel auch noch etwas über den Lebensraum, indem sich der Vogel aufhält, zu erfahren. Eine Grundregel sollte, von sehr wenigen Ausnahmen (Flugaufnahmen oder spezielle Perspektiven) abgesehen, allerdings immer erstrebenswert sein, nämlich den Vogel auf Augenhöhe zu fotografieren. Vögel die sich am Boden aufhalten fotografiere ich daher nur in liegender Position und häufig nur mit einem Bohnensack als Auflage für das Objektiv.
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Wie gelingen Flugaufnahmen?

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Wer noch ungeübt beim Fotografieren von Vögeln im Flug ist, der sollte sich zunächst einen Ort suchen, der Flugaufnahmen in regelmäßigen Abständen ermöglicht. Dies kann z.B. ein Park mit einem Gewässer sein an dem häufiger Reiher oder Schwäne landen. Man spart sich dann auch die Tarnung, die bei Flugaufnahmen die Bedingungen erschweren. Je nachdem welche Brennweite eingesetzt werden soll, spätestens aber ab mehr als 300 mm, empfehle ich ein Stativ mit Neiger oder Schwenkkopf. Kugelköpfe sind meistens weniger gut geeignet, da der Kopf bei schnellen Bewegungen zur Seite knicken kann und das gleichmäßige Führen mit einem Kugelkopf schwierig ist. Ein Dreibein-Stativ hat zusätzlich den Vorteil, dass man seine Arme entlasten kann wenn gerade kein Vogel in der Luft ist und trotzdem hat man die Kamera schnell wieder startklar, wenn sich in der Luft etwas tut.
Letztendlich ist das Entstehen von gelungenen Flugaufnahmen aber immer eine Übungssache. Es ist hilfreich den Flug-Raum jederzeit aufmerksam zu beobachten, denn je früher man ein fliegendes Motiv entdeckt, desto mehr Zeit hat man den Vogel anzuvisieren. Außerdem ist es für den Autofokus immer von Vorteil, wenn ein Ziel möglichst lange nachgeführt werden kann.
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Die Ausrüstung

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Es gibt wohl in kaum einem anderen Bereich der Naturfotografie eine vergleichbare große Materialschlacht wie einem dies bei der Vogelfotografie begegnet. Das bedeutete in der Regel den Bedarf von möglichst viel Brennweite und Lichtstärke und das wiederum heißt leider auch, dass es schnell ins Geld gehen kann. Insbesondere in Deutschland, wo die Vögel meist große Fluchtdistanzen haben, sind 500-600 mm bei der Vogelfotografie nichts Ungewöhnliches. Natürlich gibt es auch Ausnahmen bei denen die Tiere an Menschen gewöhnt sind oder man möchte sehr viel Umfeld in das Bild integrieren, aber auch hier kommt man mit kleinen Brennweiten schnell an die Grenzen. Wenn man nicht soviel Geld für ein Objektiv ausgeben kann oder möchte und am Beginn der Vogelfotografie steht, dann ist es durchaus ratsam mit 300-400 mm Brennweite zu beginnen. Nicht wenige Leute stellen nach einiger Zeit fest, dass sie eben doch nicht die Geduld für die Vogelfotografie aufbringen und da macht es Sinn am Anfang nicht ganz so viel Geld auszugeben. Mit einem 300er (Anfangsblende 4) + Telekonverter und einer Crop-Kamera hat man schon ganz passable Möglichkeiten. Ansonsten ist neben einem Stativ ein Bohnensack nützlich, wenn man Fotos aus dem Auto machen möchte. Der Wunsch nach einem Tarnzelt wird auch nicht lange auf sich warten lassen, wenn man die Vogelfotografie intensiver betreiben möchte. Ich nutze aber auch häufig nur ein Tarnschal, denn damit bin ich deutlich flexibler und ich bin nicht so auffällig wie mit einem großen Tarnzelt.
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Stand: Oktober 2013, (Verfasser: Olaf Jürgens)

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